Pulfrich Verfahren: 3D für TV und Video

 

Entdeckt wurde das Phänomen von Carl Pulfrich in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die 3D-Brille besteht hierbei aus einem dunkel getönten (rechten) und einem hellen (linken) Brillenglas. Man kann auch einfach das linke Glas einer nicht zu dunklen Sonnenbrille entfernen. Anwendung findet diese 3D-Variante im Video-/Film-Bereich. Das Prinzip basiert auf einer besonderen Eigenschaft des menschlichen Auge-Netzhaut-Gehirn-Systems. Abgedunkelte Lichtstrahlen werden von unserem Gehirn etwas später registriert als helle Lichtstrahlen. Bewegt sich ein Objekt von links nach rechts über den Bildschirm, wird es ohne Brille von beiden Augen zu einem bestimmten Zeitpunkt an der gleichen Stelle registriert. Mit Brille gelangt das Bild für das eine Auge verzögert zum Gehirn und die Position des Objektes hat sich dabei etwas verändert.

Für das Gehirn entsteht der Eindruck, dass sich zum gleichen Zeitpunkt das bewegte Objekt für das linke Auge etwas weiter rechts befindet und für das rechte Auge etwas weiter links. Damit tritt das bewegte Objekt vor dem unbewegten Hintergrund hervor.

Pulfrich 3D Brille für 3D Sendungen im Fersehen

Dieser Effekt kann Zuhause mit einem einfachen Versuch nachvollzogen werden. Dazu muss aus einer alten Sonnenbrille ein Glas (am besten das linke) entfernt werden. Anschließend wird ein Gegenstand an einer Schnur (ca. 50cm) aufgehängt und horizontal angestoßen, wie das Pendel einer Uhr. Mit Brille zeigt sich statt einem horizontalen Ausschlag nun eine ellipsenförmig Bewegung des Gegenstandes. Je schneller die Bewegung desto größer ist die Tiefenwirkung, ohne Bewegung verliert sich dieser Eindruck. Hier zeigt sich auch schon ein großer Nachteil. Die Filmszenen müssen immer in Bewegung sein, was eine gewisse Unruhe zur Folge hat. Die Objekte im Film dürfen sich dabei nur von links nach rechts bewegen, vorausgesetzt vor dem rechten Auge befindet sich das getönte Glas (Standard Pulfrich Brille). Dabei spielt es keine Rolle, ob sich das Motiv oder die Kamera (in die entgegen gesetzte Richtung) bewegt. Ein kompletter Spielfilm lässt sich damit nicht vorführen, aber einzelne 3D - Szenen innerhalb eines Filmes sind praktikabel.

In den 80er Jahren produzierte RTL den Erotik Quiz „Tutti Frutti“ mit 3D - Szenen. Aktuelle 3D - Filme gab es im November 2006 auf beim TV Sender Kabel 1 zu sehen. Es werden auch immer wieder erotische Filme (z.B. die Spielfilmserie „Justine“) mit 3D - Szenen angereichert, ohne das diese extra angekündigt werden. Man erkennt diese Szenen an der seltsamen Kameraführung. Dabei umkreist die Kamera ständig im Uhrzeigersinn das „Objekt der Begierde“. Der große Vorteil dieser 3D - Technik ist, dass die Filme in Farbe und auch ohne Brille , jedoch nur in 2D, zu betrachten sind.

Sie möchten Ihre Pulfrich 3D-Brille ausprobieren?

Laden Sie sich die Software "Fun3d" von "New Art Illusion" auf Ihre PC (Windows). Die Software zaubert Ihnen schöne Animationen auf Ihren Bildschirm. Sie können neben Pulfrich 3D-Brillen auch andere 3D-Techniken anwählen Download Fun3d_d.zip (236KB).

Mit einer gewöhnlichen Videokamera kann jeder eigene 3D - Filme im Pulfrich - Verfahren drehen. Dabei muss die Kamera langsam im Uhrzeigersinn um das Aufnahmeobjekt herumgeführt werden oder man filmt einfach aus dem Beifahrerfenster eines langsam fahrenden Autos heraus.