Anaglyphen Verfahren: (rot/cyan oder rot/grün - 3D Brille)

 

Der deutsche Wissenschaftler Willhelm Rollmann (1853) und der Franzose J. Ch. D'Almeida (1858) entwickelten völlig unabhängig voneinander das Anaglyphen -Verfahren.

Das Prinzip:

Die Grundidee besteht darin, das linke und das rechte Stereoteilbild unterschiedlich einzufärben und übereinander zu drucken oder zu projizieren.

Die beiden übereinander gedruckten Stereo-Teilbilder werden beim Blick durch verschieden gefärbte Brillengläser wieder getrennt: Das linke Auge sieht das eine Bild, das rechte Auge das andere. Denn beide Brillengläser sind Filter, durch die nur die Farben von jeweils einem der beiden Stereo-Teilbilder erkennbar sind. Im Gehirn vereinigen sich beide Bilder dann zu einem räumlich wirkenden Gesamtbild.

Beispiele für die Bildtrennung mit Farbfiltern:

Rote Elemente des übereinander gedruckten Bildes erscheinen schwarz, wenn sie durch einen grünen Filter betrachtet werden. Grüne Bildelemente werden dagegen nicht oder kaum wahrgenommen. Analog passiert das gleiche mit grünen Bildelementen und rotem Filter.

Weiße Bildelemente bzw. weiße Flächen, werden zunächst in der jeweiligen Filterfarbe gesehen, zum Beispiel vom linken Auge rot und gleichzeitig vom rechen Auge grün. Im Gehirn verschmelzen beide Farben. Diese Bildelemente sollten möglichst als weiß oder zumindest hellgrau empfunden werden.

Das Gehirn muss also nicht nur das Raumbild errechnen, sondern auch noch die Farben fusionieren. Eine sehr anstrengende Aufgabe. Dies war auch ein Grund, warum die ersten 3D-Spielfilme in den 50er Jahren neben großer Begeisterung, gelegentlich auch Kopfschmerzen hervorgerufen hatten.

rot/grün Projektor von J. C. d'Almeida, 1858 Das ganze Prinzip funktioniert auch mit anderen Kombinationen von Filterfarben bei der 3D-Brille, und den beiden Farben der gedruckten bzw. projizierten Stereo-Teilbilder. Entscheidend ist, dass die Farbe des jeweiligen Stereoteilbildes und die des zugehörigen Filters immer komplementär zueinander sind.
 
 
Populäre 3D-Technik
 
Das Anaglyphen -Verfahren mit gedruckten Bildern gehört zu den populärsten 3D-Techniken: Die Herstellung der Bilder und Filterbrillen ist kostengünstig. Das Betrachten ist einfach und führt bei den meisten Anwendern auf Anhieb zum Erfolg. Die Distanz und der Betrachtungswinkel zum Bild sind unkritisch, und bei Vergrößerung des Abstandes zum Bild nimmt die Tiefenwirkung zu.
 
Die Trennung beider Teilbilder gelingt aber selbst bei guter farblicher Abstimmung von Bildvorlage und Filter nicht hundertprozentig. Die Folge sind Schatteneffekte oder auch Geisterbilder besonders bei kontrastreichen Motiven. Bei gedruckten Vorlagen spielt selbstverständlich auch die Farbe des bedruckten Papiers eine große Rolle. Ein weiterer Nachteil ist die fehlende Farbinformation. Anaglyphenbilder sind deshalb in der Regel für schwarz-weiße Abbildungen geeignet.
 
Es gibt auch farbige Anaglyphenbilder, die Farben wirken etwas blasser als in der Realität und die Motivfarbe spielt hier eine größere Rolle, ob sich ein Motiv gut darstellen lässt. Diese Variante kommt häufig in Werbebroschüren zum Einsatz
 
Je nach Anwendung gibt es Brillen mit unterschiedlichen Filterkombinationen. Rot/cyan ist die erste Wahl bei farbigen Anaglyphenbilder, in jüngster Zeit aber auch grün/magenta und amber/blau. Rot/grün und rot/blau Brillen waren in der Vergangenheit weit verbreitet bei schwarz-weißen Anaglyphen- Darstellungen in Büchern, Comics und Filmen. Anaglyphen 3D - Brille, rot/grün
 
 
 
Wie können eigene Anaglyphen-Bilder hergestellt werden?
Ganz einfach mit dem Computer. Erforderlich sind zwei Stereoteilbilder und ein Programm, das beide Bilder in ein Anaglyphen-Bild umrechnet. Diese Software gibt es zu kaufen oder kann bei privater Verwendung kostenlos im Internet herunter geladen werden, z.B. Stereophoto Maker oder Anaglyph Maker.
 
Sie möchten Ihre Anaglyphenbrille ausprobieren?
Laden Sie sich die Software "Fun3d" von "New Art Illusion" auf Ihre PC (Windows). Die Software zaubert Ihnen schöne Animationen auf Ihren Bildschirm. Sie können verschiedene Filterkombinationen einstellen und sogar andere 3D-Techniken anwählen Download Fun3d_d.zip (236KB).
 
Weitere Informationen
können Sie unter "www.herbig-3d.de" abrufen. Die Betreiber dieser Internetseite, Andrea und Gerhard P. Herbig, sind Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie (DGS) und Spezialisten auf dem Gebiet der Anaglyphen -Technik. Außerdem hält Gerhard P. Herbig interessante und anschauliche Vorträge zur Erstellung und Darstellung von dreidimensionalen Bildern und von 3D-Filmen mit Hilfe von Computersoftware.
 
Interessante Bielbeispiele finden Sie auf folgenden Internetseiten:
"www.3d-historisch.de" - Hier sind historische Motive aus der Welt der Zeppeline zu bewundern.
www.klausmoll.com"  - Eine beeindruckende Galerie mit afrikanische Masken. Der Betreiber Klaus Moll führt auch 2D/3D Konvertierungen.
"www.flashtoys.info/demos/flightrec/flightrecorders.html" - 3D Online Spiel (für rot/cyan Brille).