Know-how

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Jeder kennt die weltberühmten Malereien in der Höhle von Lascaux. Weniger bekannt ist jedoch, dass diese schon vor 15000 Jahren entstandenen Gemälde absichtlich auf dreidimensionale Steinschichten angebracht wurden: Betrachtet man die Gemälde bei flackerndem Kerzenlicht, erscheinen sie in einer faszinierenden Plastizität. 
Der Mathematiker Euklid machte ca. 280 v. Chr. die Entdeckung, dass ein räumliches Bild aus zwei Teilbildern besteht. Die für Raumbilder erforderlichen technologischen Voraussetzungen waren allerdings erst im 19. Jahrhundert gegeben. Doch mit dieser neuen Technologie konnte der englische Physiker Sir Charles Wheatstone im Jahr 1832 schließlich die ersten Raumbilder mit einem von ihm entwickelten Stereoskop  zeichnen. Und schon kurz darauf leitete ein Schotte den  Beginn der Stereofotografie ein: Sir David Brewster konstruierte 1849 die erste Kamera mit zwei Objektiven; die so entstandenen Teilbilder ergaben unter zur Hilfenahme von speziellen Bildbetrachtern eine räumlich wirkende Fotografie.

Immer wieder wurden neue Techniken entwickelt, die eine visuell räumliche Wahrnehmung erzeugen sollten. Doch viele der damals erworbenen Kenntnisse gerieten zu Gunsten einer neuen, anderen Technik wieder in Vergessenheit.

In den 50er Jahren sorgten 3D-Filme in Anaglyphentechnik für Aufsehen. Bei dieser Technik war noch die rot-grün-Brille für den Zuschauer obligatorisch, um den 3D-Effekt zu erzielen. Doch 20 Jahre später brachten 3D-Farbfilme im Polarisationsverfahren das Publikum zum Staunen: auch hierbei kommen 3D-Brillen, diesmal mit Polarisationsfilter, zum Einsatz. Der dafür getriebene Aufwand ist wohl zu groß, als dass diese Filme dauerhaft in der Kinowelt bestehen könnten. Jüngstes Beispiel für den schnellen Aufstieg und anschließenden Fall einer 3D-Technik sind die mit dem Computer erzeugten, dreidimensionalen Illusionsbilder oder Farbfeld-Stereogramme: 1994 war der Bildband „Das Magische Auge“ ein gerne gekaufter Geschenkartikel und wurde ein Bestseller. Zwei Jahre später, nachdem eine Flut ähnlicher Bücher den Markt überschwemmt hatte, war das Interesse nur noch gering.

Auch das Fernsehen hat sich zeitweise um die dritte Dimension bemüht. Ende der 70er Jahre strahlten die Dritten Programme versuchsweise die Sendung „Klimbim“ und einige Spielfilme aus den 50er Jahren in Anaglyphentechnik aus. Ahnungslose Zuschauer ohne rot-grün-Brille mussten wohl denken, ihr Fernseher sei defekt: Für sie stellte sich das TV-Bild nur sehr verschwommen dar. In den 80er Jahren folgte Hugo Egon Balder diesem Beispiel mit dem Erotik-Quiz „Tutti Frutti“, dass ebenfalls in 3D ausgestrahlt wurde. Die dabei verwendete Pulfrich-Technik, benannt nach ihrem Entdecker Carl Pulfrich, trug zwar nicht dazu bei, dem Inhalt der Sendung Tiefe zu geben, aber immerhin gewann das Bild eine zusätzliche Dimension. Der große Vorteil dieser Technik gegenüber dem Anaglyphenverfahren bestand darin, dass das Bild in Farbe und auch ohne rot-grün-Brille zu sehen war - dann jedoch nur in 2D.

Ein 3D-Bild ist nicht immer ein Raumbild

In letzter Zeit sind 3D-Computerspiele der Renner. Aber aufgepasst, ein echtes Raumbild kann nur mit speziellen Brillen oder 3D-Monitoren, die bis jetzt doch eher die Ausnahme sind, entstehen. Alles andere ist nur eine räumliche Wahrnehmung aufgrund von Erfahrungen, die jeder von uns im Laufe seines Lebens gemacht hat: Die Größe und Schärfe von Gegenständen, Licht und Schattenbildung, die unterschiedliche Bewegungsgeschwindigkeit naher beziehungsweise entfernter Objekte und andere von uns erlernte Eigenschaften spielen hierbei eine Rolle. Durch sie wirkt ein Bild für uns plastisch, aber es ist  kein echtes Raumbild.

Unser Gehirn ist ein Supercomputer

Für ein echtes Raumbild brauchen wir von einem Objekt zwei Bilder aus unterschiedlicher Perspektive. Der Mensch erreicht dies durch seine beiden Augen, die einen Abstand (die sogenannte Basis) von etwa 6,5 cm zueinander haben. Bei Stereokameras ist das der Abstand der Objektive, die als Resultat ein Bild mit Tiefenwirkung erzielen. Es spielt jedoch prinzipiell keine Rolle, ob der Abstand der Objektive dem Abstand unserer Augen entspricht: Es ist durchaus möglich, eine andere Basis zu wählen. Wichtig ist nur, dass die beiden Stereoteilbilder getrennt zu unseren Augen gelangen, linkes Bild zum linken Auge, rechtes Bild zum rechten Auge. Alles weitere erledigt das Gehirn: Es errechnet aus beiden Teilbildern das Raumbild. Hier sollten wir unserem Gehirn ein Kompliment machen, denn kein Computer kann in dieser Schnelligkeit und hohen Auflösung mit unserem Gehirn mithalten.

Faszinierende 3D Technik

Jede 3D-Technik hat Vorteile, oft aber auch erhebliche Nachteile. Das wird wohl der Grund sein, warum sich im optischen Bereich das Raumbild nicht in dem Maße durchsetzt, wie der Raumklang  in der Akustik. Denn anders als bei der Stereofotografie, bei der Betrachtungshilfen zur Standardausrüstung gehören, muss bei der Stereophonie niemand einen speziellen Kopfhörer kaufen, um Raumklänge zu hören - es geht auch ohne. Aber die Vorteile der einfachen Handhabung und das gute Preis-Leistungsverhältnis bei Audiogeräten fordern ihren Tribut: Vorbei die Zeiten, in denen „audiophile“ Genießer auf einer kostspieligen Anlage einer „Master-Record“ verzückt lauschten. Es ist nichts Besonderes mehr, Musik in guter Qualität und trotzdem zu niedrigen Preisen zu hören. Dementsprechend hat die Faszination im Audiosektor deutlich abgenommen - Stereophonie gehört inzwischen zum alltäglichen Luxus.

Die Stereofotografie ist so etwas wie „HiFi-Fotografie“. Gewiss, der höhere Aufwand ist ein Nachteil, aber gerade deshalb ist diese Disziplin der Fotografie so faszinierend: Weil man sie so selten sieht. Und das ist gut so. Denn sähe man Stereofotos an jeder Ecke, wäre auch hier der Reiz bald abgestumpft. Und Stereofotos wären auch nicht aufregender, als die gut gemachten Urlaubfotos, die der Nachbar beim abendlichen Diavortrag präsentiert.

Und noch eine Bemerkung: Der größere Aufwand ist nicht unbedingt mit hohen Kosten verbunden. Auch mit einer einfachen Monokamera kann man faszinierende Raumbilder herstellen und anschließend mit einem preiswerten Stereobetrachter präsentieren. Die Stereoprojektion im Polfilterverfahren, wohl die eindrucksvollste Art der Stereobetrachtung, mit Polfilter an zwei gewöhnlichen Diaprojektoren, Polfilterbrille und Silberleinwand, muss ebenfalls nicht teuer sein - vorausgesetzt der Qualitätsanspruch ist nicht allzu hoch. Mit geringen Kosten kann man auch hier äußerst eindrucksvolle Ergebnisse vorweisen.

Und jetzt sind Sie dran. Viel Spaß dabei.

Ihr Peter Kaiser


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